"Manches brauchst du nicht zu lernen, manches machst du einfach." 

Ich bin Verena, 33 Jahre alt und komme ursprünglich aus der Nähe von Passau. Aufgewachsen auf dem elterlichen Milchviehbetrieb, bin ich dort mit den Pferden meines Onkels groß geworden und habe bereits im Alter von 6 Jahren mein erstes eigenes Pferd bekommen und damals seine alte Scheune übernommen.

Ein roher, unerzogener Haflinger wurde es und kaum eingeschult, wollte ich mir diese Stute selbst ausbilden. Es folgten einige rasante Jahre, die mich forderten aber ebenso bereits in jungen Jahren stark förderten.  

Neben den Einreit-Versuchen zuhause, klapperte ich viele Reitschulen bis ins Teenager-Alter ab und suchte schon dort immer automatisch den Kontakt zu den ganz speziellen oder auch oft für andere gefährlichen Pferden, ohne es zuvor gewusst zu haben. Ich hatte schon damals eine extreme Anziehung zu Seelen mit Geschichten und machte es mir zur Aufgabe, genau für jene mit Liebe und Verständnis etwas zu verändern. Jedoch fühlte ich mich egal wo ich auch geritten bin, immer wie ein Fremdkörper und machte mir sehr viel Druck. Ich komme aus absolut keiner Reiterfamilie und meine Leidenschaft war für meine Eltern neben dem Betrieb oft mehr Last als Seegen. 

 

So wuchs lange Zeit in mir immer mehr der Glaube, dass ich nicht gut genug war und habe mich stark mit Mädels aus dem Verein verglichen. Vor Turnierstarts hatte ich riesige Panik und war wie ein steifer Sack Mehl, sobald ich ins Viereck ritt. Alleine, ohne Reitlehrer und Richter war ich wie ausgewechselt und konnte alles erlernte sofort abrufen. So beschloss ich Anfang meiner Zwanziger schließlich, mich voll und ganz auf mich und später meine immer mehr werdenden Pferde zu konzentrieren. Ohne je auf gut ausgebildeten Pferden gesessen zu sein oder gelehrt bekommen zu haben, wie man eine Piaffe, eine Traversale oder einen Wechsel reitet geschweige denn es je selbst ausgebildet zu haben, habe ich mein Wissen durch die Pferde selbst erlangt. Ich konnte mich schon immer auf eine ganz besondere Weise in sie hineindenken und war irgendwie in der Lage, ihnen neue Aufgaben verständlich und spielerisch zu erklären. Jedes einzelne meiner Pferde war früher nicht reitbar und meistert heute durch mein Training spielerisch Lektionen bis zur hohen Schule. Ich übernah immer öfters Pferde, die als unreitbar, gefährlich oder auch traumatisiert galten und habe 

 

letztendlich vor 8 Jahren beschlossen, mein Nebengewerbe zu starten und auch beruflich solchen Pferden zu helfen. 

Heute nenne ich 12 Pferde mein Eigen. Mehr als die Hälfte davon wurden mir geschenkt oder zum Schlachtpreis überlassen. Jedes einzelne davon war vor meiner Zeit entweder Steiger, Durchgänger, Buckler, Blockierer oder schlicht weg wie sie es alle sind - Pferde mit Traumata aus früheren Tagen. Pferde, die oft von gelernten Profis kommen. Problempferdebereiter, Pferdewirtschaftsmeister und sogar Olympiareiter haben mir ihre Pferde überlassen und jedes einzelne ist von mir mittlerweile wieder mit einer tollen Arbeitseinstellung reitbar. Mein Haupteinzugsgebiet bezüglich Kunden liegt mittlerweile im eher nördlicheren Deutschland oder auch im umliegenden Ausland, wo mich viele aufgrund meiner Problempferdearbeit kennen. Ich bin zu tiefst dankbar für jedes einzelne Pferd und allen voran meinem leider verstorbenen Corbo vom Eingangsfoto, der mich lehrte, ein Pferd niemals aufzugeben und durch das richtige Training sein gesamtes Leben zum höchst Positiven verändern zu können.

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